Wer als Trainer oder Seminaranbieter auf „online“ wechselt, wünscht sich die passenden Methoden. Wie wählt man geeignete Methoden und welche Methoden kann man als Trainer im Online-Training nutzen?

Simone Engelhard von lernglust gibt in diesem Gastartikel Tipps für Trainer zum Start von offline zu online.

Was man bei der Methodenauswahl berücksichtigen sollte

Jeder Mensch lernt auf seine persönliche Art und Weise. Diese individuellen Lernprozesse können wir als Trainer durch einen passenden Methodeneinsatz in unserem Online-Training unterstützen. Dabei gilt vieles, was es auch bei Präsenzveranstaltungen zu berücksichtigen gibt.

Um aber mit der Methodenauswahl starten zu können, braucht man vorgelagert ein Workshop-Konzept. Methodik bedeutet in diesem Zusammenhang: „WIE mache ich meine Lerninhalte für meine Teilnehmer greifbar“.

Folgende Fragen sollte man bei der Methodenwahl berücksichtigen:

 

1) Was erwarten meine Teilnehmer von meinem Online-Training? Wie technik-affin sind meine Teilnehmer? Wieviel Unterstützung brauchen meine Teilnehmer durch den Trainer?

Die Methodenauswahl richtet sich stark nach den Bedürfnissen meinen Teilnehmer. Mit welchen Methoden fühlen sich meine Teilnehmer wohl. Welche Methoden machen ihnen Spaß.

 

2) Was wünsche ich mir als Trainer von meinem Online-Training? Welche Methoden unterstützen mich als Trainer?

Nicht nur die Teilnehmer sollen sich im Online-Training wohlfühlen, sondern auch der Trainer selbst soll sich sicher und gut vorbereitet fühlen. Deshalb wähle ich als Trainer Methoden aus, die meinen Stärken entgegenkommen und die ich auch in stressigen oder unvorhergesehene Situationen professionell anwenden kann.

 

3) Welche Inhalte sollen im Kurs vermittelt werden? Welche Lernziele werden verfolgt? Mit welchen Erkenntnissen sollen die Teilnehmer „nach Hause“ gehen?

Je nach Lernziel und Kursphase eignen sich manche Methoden mal mehr oder weniger. Ganz einfaches Beispiel: Eine Vorstellungsrunde macht am Ende eines Seminars wohl eher weniger Sinn. Zu Beginn eines Kurses schaftt eine solche Runde jedoch Vertrauen und fördert eine angenehme Lernatmosphäre.

 

4) Wie sehen die Rahmenbedingungen meines Online-Trainings aus? Woran muss ich hinsichtlich Technik oder Datenschutz denken?

Äußere Einflüsse beeinflussen ebenfalls die Methodenwahl. Gerade im Online-Bereich spielen die gegebenen Rahmenbedingungen eine große Rolle. Wie stabil ist meine Internetverbindung oder die der Teilnehmer. Werden sensible Daten ausgetauscht und wie schütze ich diese.

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Die ausgewählten Methoden sollten auf jeden Fall abwechslungsreich und aktivierend sein. Bekannte Methoden aus dem Präsenztraining lassen sich auch im Online-Training umsetzen. Es gibt aber auch Methoden, die sich gerade für Online-Seminare eignen. Auch im digitalen Training lässt sich ein Methodenfeuerwerk zünden, das die Teilnehmer motiviert, begeistert und zur Reflexion anregt. Analog zu Präsenzveranstaltungen können Telnehmer in Stillarbeit, in kleinen Gruppen oder im Plenum an den Seminarinhalten arbeiten.

Lassen wir unserer Kreativität freien Lauf!

Tipp: Erstellt nach der Konzeptphase einen exemplarischen Ablaufplan für eure Online-Veranstaltung. Fügt hier am Besten eine Spalte für die methodische Ausgestaltung ein.


Methoden für die 4 Phasen eines Online-Trainings

Anhand der vier Phasen eines „klassischen“ Seminarablaufs (Ankunft – Eröffnung – Arbeitsphase – Abschluss) wollen wir Euch noch ein paar Methoden mit an die Hand geben.

1) Ankunft der Teilnehmer

Ankunft: Die Teilnehmer kommen im digitalen Raum an und lernen sich und den Trainer kennen.

  • Meine 3#
    Jeder Teilnehmer stellt sich kurz vor und nennt seine 3# zu einer ausgewählten Frage (z. B. Was möchte ich heute lernen? Was brauche ich, um mich im Online-Training wohlzufühlen?). Die #s können dabei anhand von verschiedenen digitalen Post-ist auf einem Whiteboard visualisert werden.
  • Selfies zum Thema
    Die Teilnehmer erhalten im Vorfeld den Arbeitsauftrag Fotos/Selfies/Bilder zum Thema zu sammeln. Im Rahmen der Vorstellungsrunde werden diese Collagen gezeigt und besprochen.
  • Blick aus dem Fenster
    Im Rahmen der persönlichen Vorstellung erzählen die Teilnehmer kurz, was sie sehen, wenn sie aus ihrem Fenster schauen.

2) Eröffnung des virtuellen Seminars

Eröffnung: Die Teilnehmer werden auf die Seminar-Reise mitgenommen. Ziele und Erwartungen werden geklärt. Vorwissen wird aktiviert.

  • ABC-Methode
    Die Teilnehmer sammeln auf einem Whiteboard für jeden Buchstaben des Alphabets Begriffe, die sie mit dem Thema verbinden.
  • Umfragen
    Über mentimeter können ganz einfach anonyme Umfragen passend zum jeweiligen Thema erstellt und durchgeführt werden. Um mentimeter zu nutzen, muss kein zusätzliches Programm heruntergeladen werden, sondern es kann von allen direkt im Browser verwendet werden.

3) Arbeitsphase

Arbeitsphase: Die Teilnehmer setzen sich mit dem Thema auseinander, Inhalte und Wissen werden vermittelt und auch gleich angewendet. Es werden aber auch neue Ideen entwickelt.

  • Digitale Vernissage
    Die Teilnehmer durchlaufen eine digitale Vernissage, indem sie unterschiedliche Dokumente (z. B. freigegebene Google Docs) öffnen und diese kommentieren. Die einzelnen Dokumente werden Schritt für Schritt „durchlaufen“.
  • Mind-Map
    Die Teilnehmer entwickeln eine gemeinsame Mind-Map mit den Trainingsinhalten. Aus der Mitte heraus, in der groß das Hauptthema steht, schlängeln sich die einzelnen Unteraspekte eines Themas als „Äste“, die sich wiederum an Knotenpunkten verzweigen oder Unteräste ausbilden.
  • Flip-Flop
    Bei der Flip-Flop-Technik wird eine ursprüngliche Frage ins genaue Gegenteil verkehrt. Die gefundenen Negativ-Ideen werden anschließend umgedreht, um zu den positiven Wirkungen zu kommen. Außerdem werden sowohl die Negativ- als auch die Positivideen einem Realitätscheck unterworfen. Die Visualiserung kann wieder über ein gemeinsam genutztes Whiteboard geschehen.

4) Abschluss des Online-Trainings

Abschluss: Am Ende werden die Ergebnisse zusammengefasst und Feedback eingeholt. Außerdem wird auf den Praxistransfer übergeleitet.

  • Baum der Erkenntnis
    Die Teilnehmer sammeln gemeinsam mündlich, schriftlich im Chat oder auf einem gemeinsamen Whiteboard ihre Erkenntnisse anhand von 3 Kategorien: „reife Früchte“ (= Erfolge/positive Erkenntnisse), „zarten Knospen“ (= Wünsche/Offengebliebenes), „Fallobst“ (= Misserfolge/Kritikpunkte)
  • Brief an mich selbst
    Die Teilnehmer schreiben in Stillarbeit einen digitalen Brief an ihr zukünftiges Ich. Dabei bearbeiten sie Reflexionsfragen passend zum Thema.

Tipp: Weniger ist manchmal mehr – gerade beim Einsatz von technischen Tools. Überfordert euch und eure Teilnehmer nicht mit zu vielen Tools und Methoden.

Wagt den Sprung in die digitale Welt mit kreativen Online-Formaten. Bereichert eure Teilnehmer mit neuen Trainingsideen.

Viel Spaß beim Ausprobieren,
Simone Engelhard von der [lernglust]

Über die Verfasserin
Simone Engelhard ist geschäftsführende Gesellschafterin der [lernglust], die sie nach ihrer 2-jährigen Weltreise gegründet hat. Die Dipl.-Pädagogin mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung beschäftigt sich mit den Themen „(Digitales) Lernen im Unternehmen“ und „Personalentwicklung in Zeiten digitaler Transformation“. Hierbei ist sie als Unternehmensbegleiterin, Lernexpertin, Lerncoach und Speakerin tätig.

Kontakt: www.lernglust.de | simone.engelhard@lernglust.de | 0176 30421968

 

 

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