KI ist überall: in den Nachrichten, in Deinem Insta-Feed, in jedem Marketing-Webinar.
Als Trainer, Coach oder Beraterin fragst Du Dich vielleicht: Muss ich jetzt auch? Werde ich ersetzt? Bin ich zu spät dran?
Das denken zurecht viele Solopreneure! Denn die KI mischt bereits in vielen Lebensbereichen mit und es entstehen täglich neue Möglichkeiten, die uns oft Bauklötze staunen lassen.
Aber viele Ängste rund um KI sind eher Hypothesen. Und das ist klar. Denn KI ist so dynamisch wie kaum etwas zuvor. Und niemand weiß wirklich, wie sich das Ganze entwickelt.
Viele Selbstständige überlegen, wie KI ihr Business beeinflusst. Wer ein Online-Business hat oder aufbauen möchte, kommt an KI kaum vorbei. Es wäre ja auch dumm, die KI einfach zu ignorieren.
Aber es geistern auch einige scheinbare Weisheiten umher, die verunsichern können. Daher knöpfe ich mir in diesem Artikel einige KI-Mythen vor. Ich möchte Denkanstösse geben, so dass Du erkennst, dass Du weder in Panik verfallen noch zum KI-Experten werden musst.
Inhalte in diesem Artikel
Mythos 1: „Ohne KI wirst du abgehängt“
Ich spüre bereits Druck, als ich diese Überschrift tippe. Auweia! Ich muss jetzt also auch voll auf KI setzen!? Überall lesen wir, dass jeder jetzt KI nutzen muss, sonst ist das Business in einem Jahr mausetot.
Aber ich wette, Deine Klienten buchen Dich nicht wegen Deiner Tools, sondern wegen Deiner Erfahrung, Deiner Methode und Deines Verständnisses für ihre Probleme. Ob Du dabei ein KI-Tool nutzt oder nicht, spielt für das Ergebnis oft keine Rolle.
Beispiel:
Stellen wir uns vor, Du bist Karrierecoach. Deine Stärke liegt darin, in Gesprächen die wahren Blockaden Deiner Klienten zu erkennen und für sie individuell passende Strategien zu entwickeln. Genaus diese Fähigkeit suchen Deine Klienten bei Dir und Du kannst sie nicht durch ein KI-Tool ersetzen. Wenn Du seit Jahren erfolgreich bist, wirst Du nicht plötzlich irrelevant, nur weil Du keine KI einsetzt.
KI ist ein optionales Werkzeug. Es ist sicher mehr als ein besseres Mikrofon für Deine Online-Sessions oder eine professionellere Kamera. Es kann Dir durchaus nützlich sein in verschiedenen Bereichen von Deinem Business. Aber es ist keine Voraussetzung für Deinen Erfolg. Es ist Deine Entscheidung, ob und für was Du KI nutzen willst. Derzeit gehört KI zu den Dingen, die man nicht zwingend machen muss in seinem Online-Business.
Mythos 2: „KI macht Deine Arbeit überflüssig“
Die Angst, dass KI uns Coaches, Berater und Trainerinnen ersetzt, ist weit verbreitet. Ja, KI kann eine ganze Menge. Aber sie kann nicht Empathie zeigen, komplexe menschliche Situationen verstehen, eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und eigene Erfahrungen einbringen.
Coaching lebt von der menschlichen Verbindung. Deine Klienten brauchen jemanden, der zuhört, nachfragt, zwischen den Zeilen liest und auf ihre individuellen Bedürfnisse eingeht. Ein Chatbot kann keine echte emotionale Unterstützung bieten, wenn jemand mit einer Karrierekrise kämpft oder sein Business neu ausrichten möchte.
Und es ist ihm auch ziemlich Wurst, wie es Dir geht und wie Du Dich weiter entwickelt hast, wenn wir uns im nächsten Beratungscall treffen. Er wird sich nicht mit Dir freuen, wenn Du einen Meilenstein erreicht hast, sondern Dir das höchstens vorgaukeln, wenn er dahin gehend konfiguriert wurde.
Beispiel:
Eine Kundin erzählt mir frustriert, dass sie mit ihrem Kurskonzept noch nicht so weit gekommen ist, wie sie sich vorgenommen hatte.
Sie hatte verschiedene Anfragen zu Kooperationen und Podcast-Interviews bekommen und war unsicher, ob sie damit ihre Zeit vergeudet. Ich spiegel ihr zurück, dass das keineswegs Rückschritte sind und bespreche mit ihr Optionen, die Anfragen sinnvoll für ihre Marketing-Strategie zu nutzen. So ist sie zwar mit ihren Kurs noch nicht weiter gekommen, aber wir haben wichtige Bausteine für ihre Sichtbarkeit und die Vermarktung ihres Kurses festgelegt.
Das Verständnis, die persönliche Zuwendung und das Aufdecken von Perspektiven abseits des Kernthemas bieten einen echten Mehrwert und die Kundin geht motiviert die nächsten Schritte!
KI kann eine Menge und es wird jeden Tag mehr. Aber sie kann nicht die Tiefe und Qualität Deiner Arbeit mit Menschen erreichen.
Mythos 3: „KI erledigt alles automatisch“
Viele glauben, man müsse nur einen Knopf drücken und schwupps, die KI schreibt den perfekten Blogartikel, erstellt einen Onlinekurs oder beantwortet alle Kundenanfragen.
Wovon träumst Du nachts? Denn die Realität ist ernüchternder.
KI braucht klare Anweisungen, Kontext und Kontrolle. Wenn Du einer KI sagst „Schreib mir einen Blogartikel über Meditationspraxis“, bekommst Du ein generisches Ergebnis, es ist austauschbar. Jeder hätte es schreiben können. Auch jemand, der Meditation nur vom Hörensagen kennt! Erst wenn Du genauer beschreibst, an wen sich der Artikel richtet und was für Dich relevant ist, wird das Ergebnis brauchbar.
Und selbst dann musst Du es überarbeiten, anpassen und mit Deiner eigenen Stimme versehen. Ja, auch das können mittlerweile KI-Agenten übernehmen. Aber, hey, willst Du Deine Zeit damit verbringen, einen KI-Agenten zu trainieren, Dich zu imitieren? Oder willst Du Deine Energie in Worte fassen und mit Deiner Stimme direkt zu den Menschen sprechen oder ihnen schreiben? Ist es nicht viel schöner, auch von sich selbst etwas einzubringen?
Es ist natürlich auch Geschmackssache, ob man seinen Fokus verlagert und sich mehr mit dem KI-Thema befasst als mit dem eigentlichen Expertenthema und den Bedürfnissen seiner Kunden und Kundinnen.
Beispiel:
Du möchtest Kursinhalte für ein neues Modul erstellen. Die KI kann Dir eine Grobstruktur liefern, aber die Feinheiten, seien es Deine bewährten Übungen, Deine spezifischen Fallbeispiele, Deine Art zu erklären kommen von Dir. Die KI spart Dir vielleicht die erste Rohfassung und kann Dir auch als Sparringspartner dienen, um out-of-the-box zu denken. Der Großteil der Arbeit liegt immer noch bei Dir.
Das alles kann sich natürlich künftig ändern! Wer weiß das schon?
Mythos 4: „Man muss KI-Experte werden“
Die Vorstellung, man müsse jetzt Prompt Engineering lernen, KI-Agenten-Ersteller werden, alle KI relevanten Technik-Begriffe verstehen und sich durch komplizierte Tutorials kämpfen, etliche Tools buchen und ausprobieren, schreckt viele ab. Mich auch! Doch keine Bange: Du musst kein KI-Experte werden. Und Hand auf’s Herz, das wäre dann auch eine Dauerbeschäftigung, denn es kommt ja täglich etwas Neues dazu!
Es ist gut zu verstehen, was KI grundsätzlich kann, wie Du für Anwendungen, die Du nutzen möchtest, verständliche Anweisungen gibst und vor allem, wie Du verantwortungsvoll mit KI umgehst. So kannst Du nach und nach Erfahrungen sammeln und Dein Wissen verdichten, da wo Du es benötigst.
Beispiel:
Du bist Trainer für Zeitmanagement. Du nutzt KI vielleicht, um Entwürfe für den Newsletter zu erstellen oder Ideen für Workshop-Übungen zu sammeln. Dafür brauchst Du keine tiefes technisches Wissen. Es braucht aber die Fähigkeit, die Anfrage klar zu formulieren. Das kann man lernen. Und Klarheit hat ja noch nie geschadet! So kann die KI übrigens nebenher auch helfen, dass wir klarer formulieren und Prozesse besser strukturieren.
Dein Fokus sollte auf Deiner Kernkompetenzen liegen. Nicht auf der neuesten KI-Technologie. Es sei denn, Du möchtest das gerne!
Mythos 5: „Wer KI nutzt, ist nicht mehr authentisch“
Ein häufiges Unbehagen: „Wenn ich KI für meine Texte nutze, bin ich dann noch authentisch? Merken meine Klienten das nicht?“ Diese Sorge ist verständlich, aber sie übersieht einen wichtigen Punkt.
KI ist ein Werkzeug, kein Ghostwriter, der Deine Persönlichkeit überschreibt. Du kannst KI nutzen, um schneller zu arbeiten oder Ideen zu entwickeln, aber das Endprodukt trägt immer noch Deine Handschrift. Du entscheidest, was Du verwendest, was Du änderst und was Du verwirfst. Diese Verantwortung sollte man nicht an die KI abgeben.
Beispiel:
Mich ruft ab und zu die KI eines Anbieters an „Hier ist Susi, dier KI-Assistent der Firma XY“. Also, ich lege dann auf. Bei einem Menschen würde ich das nicht machen, aber so ist es ja nicht mal unhöflich, denn Susi wird das nicht persönlich nehmen.
Ich frage mich schon, ob die KI Kunden-Akquise wohl die Zukunft wird? Aber dann baue ich mir eine KI-Assistentin, die den Anruf entgegen nimmt und die beiden können dann ein bisschen klönen. Im Moment habe ich zu Susi keinen Bezug und das Unternehmen bußt bei mir an Authentizität ein. Wenn ich nur wüßte, welches es war …
Mythos 6: „Mit KI sparst du sofort Zeit“
Das vielleicht größte Missverständnis: Zu erwarten, dass, sobald man KI einsetzt, sofort deutlich schneller arbeitet. Doch wie bei jeder neuen Technik (und KI ist ja weit mehr als das) gibt es eine Lernkurve. So wie man mit Meta-Ads nicht sofort immens viele Kunden gewinnt, sondern erstmal sehr viel Zeit und eine Menge Geld investieren muss.
Zunächst kostet Dich KI erstmal viel Zeit. Du musst verstehen, wie das Tool (vielmehr die Tools!) funktioniert und wo es hakt. Du wirst Ergebnisse bekommen, die nicht passen, und mehrfach nachbessern müssen. Das kann frustrierend sein, ist aber völlig normal.
Beispiel:
Du willst KI nutzen, um Kursbeschreibungen zu erstellen. Die ersten Versuche sind generisch und treffen nicht Deine Tonalität. Du probierst verschiedene Ansätze, passt Deine Anweisungen an und lernst nach und nach, was funktioniert. Nach einigen Wochen bist Du routinierter und dann beginnt die Zeitersparnis tatsächlich.
Unabhängigkeit bewahren
Ich bin ja gar kein Technik-Nerd. Aber mich reizt es und weckt den Spieltrieb in mir, wenn ich das Gefühl habe, das könnte spannend werden! Daher habe ich mich vor einigen Jahren intensiv mit Alexa Skills befasst. Ich habe selber viele Alexa Skills erstellt und dazu auch Webinare gegeben und Kurse angeboten. Auch da waren die Entwicklungen so dynamisch, dass man kaum hinterher kam. Und es gab auch die eine oder andere heftige Überraschung. So erlebte ich ein wahres Desaster beim meinem Onlinekurs-Start.
Auch aus dieser Erfahrung heraus, die in vielen Facetten sehr wertvoll war, würde ich mein Business nie von einem Tool oder einer Technik abhängig machen! Daher nutze ich KI in Maßen und bin dabei, mich näher damit zu befassen. Aber ich möchte weder KI-Expertin werden noch mich davon komplett abhängig machen.
Der gesunde Mittelweg in der Welt der KI
Zwischen „KI ignorieren“ und „KI überall einsetzen“ liegt der gesunde Mittelweg. Ich finde es hilfreich und auch inspirierend, neugierig zu bleiben und zu experimentieren. Sich aber keinesfalls unter Druck zu setzen. Ich mache daher auch immer mal wieder KI-Pausen, um wieder Abstand zu gewinnen. Auch bei diesem Blogartikel half mir die KI als Sparringspartner, aber ein Großteil ist von mir.
KI lässt sich nicht im Handumdrehen erfassen. Dem Anspruch, alles rund um KI zu kennen und zu können, kann man auch kaum gerecht werden. Und das ist auch gar nicht nötig.
Wenn Du KI für Dich und Dein Business einsetzen willst, ist ein guter Ansatz, zu schauen, welche Aufgaben Dich am meisten Zeit kosten oder am wenigsten Freude bereiten. Könntest Du dort KI als Unterstützung testen?
Fazit: Gelassen bleiben und bewusst entscheiden
KI ist weder die Rettung für Dein Business noch der Untergang Deiner Karriere. Sie ist ein Werkzeug, das man auf sehr unterschiedliche Weise einsetzen kann und dessen Grenzen noch völlig offen sind. Deine Expertise, Deine Erfahrung und Deine Beziehung zu Deinen Klienten sind und bleiben Dein größtes Kapital.
Du musst nicht jeden Trend mitmachen und nicht jedes Tool ausprobieren. Entscheide bewusst, was für Dich und dein Business Sinn ergibt. Vielleicht ist KI eine Hilfe für bestimmte Aufgaben. Vielleicht auch nicht und das ist völlig in Ordnung.
Offen und gelassen zu bleiben hat sich schon bei manchem Wirbel, der uns Selbständige begenete, bewährt. Ich denke, man sollte sich auch hier nicht Bange machen lassen, aber sich vor neuen Möglichkeiten auch nicht grundsätzlich verschließen.
Letzlich geht es darum, dass Du Deine Klienten bestmöglich unterstützt und Dein Business so aufbaust und führst, dass es zu Dir passt.
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Eva Peters begleitet Selbstständige im Online-Business, die aus ihrem Wissen hochwertige Online-Produkte machen und mit authentischer Online-Kommunikation Wunschkunden gewinnen wollen. Sie steht für gute Ideen, pragmatische Lösungen und fokussierter Umsetzung mit wenig Technik-Gedöns.
Eva betreibt den Onlinekurse Kompass und den Ideen-Talk Podcast. Sie ist an der Elbe, am Rhein und an der Nordsee zuhause.

