Katja Gloeckler bietet Buchcoaching an, mit dem Schwerpunkt Livewriting, also live und online ein Buch zu schreiben. Wie das geht und für wen das Liveschreiben intereressant ist, erzählt sie im Interview.

Katja, Du bietest livewriting an, für Menschen, die öffentlich ein Buch schreiben möchten. Was genau bedeutet Livewriting?

Wie Du schon sagst, „Livewriting“ oder Liveschreiben bedeutet, dass man sein Buch öffentlich schreibt. Das heißt man schreibt wie gehabt für sich, veröffentlicht das Buch aber kapitelweise. Die Leser sind somit schon bei der Buchentstehung dabei. So wie das Buch entsteht wachsen die Community und die Beziehungen zu den Lesern. Als Live Autor ist man mit seinen Lesern im Kontakt, kann ihnen Fragen stellen, bekommt wichtige Informationen und kann ganz genau und zielgerichtet auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Während des Liveschreibens entsteht das Buch auf einem Blog. Wenn es fertig ist, kann es in jeder Buchform veröffentlicht werden – als eBook, als Paperback oder Hardcover.

Was ist das Besondere am livewriting, was ist der Vorteil für den Schreibenden?

Es gibt einige Vorteile. Gerade am Anfang ist das Liveschreiben ein leichterer Einstieg und Weg zum eigenen Buch. Hinzu kommen die Vorteile, die durch den Kontakt und Austausch mit den Lesern entstehen.

Viele träumen vom eigenen Buch, haben aber nicht den Mut, es tatsächlich auch umzusetzen. Genau für diese Menschen ist ein Live Book ein super Einstieg, da es viele kleine Veröffentlichungen und Schritte sind. Ich merke und sehe es immer wieder an Autoren, die live schreiben, dass nicht nur ihr Buch, sondern vor allem sie selbst in dieser Zeit wachsen und an Selbstvertrauen gewinnen. Mit jedem Kapitel, das sie veröffentlichen, werden sie mutiger. Klar, wer auf dem Weg schon Menschen begeistern konnte, der tut sich viel leichter, das Buch auch final zu veröffentlichen.

Außerdem sind die Gespräche und der Kontakt zu den Lesern während der Buchentstehung sehr wertvoll. Als Live-Autor lernt man seine Leser kennen. Man bekommt ein Gespür für sie und erkennt, welche Bedürfnisse, Probleme und Wünsche sie haben. Das hilft natürlich schon beim Buch selbst, ist aber darüber hinaus die beste Basis, um weiterführende Angebote zu entwickeln. Und nicht zuletzt macht man bereits Marketing mit und für das Buch, während man es schreibt.

Öffentlicher Druck durch Liveschreiben eines Buches?

Gibt es auch Nachteile für den Schreibenden? Immerhin bringt eine gewisse Öffentlichkeit ja auch Druck mit sich.

Ich werde oft darauf angesprochen, ob das Liveschreiben nicht einen großen Druck aufbaut. Ja, mit Sicherheit gibt man mit einem Live Book sein Wort und kündigt öffentlich an, dass man ein Buch schreibt. Das kann im einen oder anderen Moment unbequem werden, vor allem, wenn sich der innere Kritiker oder auch der Schweinehund melden und man ohne dieses „Versprechen“ das ganze Projekt „Buch“ still und heimlich wieder in der Schublade verschwinden lassen würde. Aber genau das ist auch die Hilfe und Stützte, das Buch auch tatsächlich zu beenden.

Welche Bücher hast Du selber schon live geschrieben?

Mein erstes Live Book war „Schreibe jetzt, schreibe live. In 12 Schritten zum eigenen Live Book“. Es ist eine schrittweise Anleitung zum Liveschreiben. Das Buch ist im kleinen Kreis mit registrierten Live-Lesern entstanden – ein Modell, das ich gerade beim ersten Buch sehr empfehlen kann. Aktuell wird mein zweites Live Book fertig. Es heißt „Keine Zeit! Wie Du Dein Buch schreibst ohne die Zeit dafür zu haben.“  Und ich plane bereits das dritte Buch, das direkt im Anschluss starten wird. Es wird um das Thema Mut gehen, sein eigenes Buch zu schreiben und in die Welt zu bringen.

Für welche Arten von Bücher eignet sich das Livewriting?

Bisher betreue ich ausschließlich die Konzeption und die Umsetzung von Live-Ratgebern und Sachbüchern. Aber es werden bereits Romane sehr erfolgreich live geschrieben. Der Aufbau und die Dramaturgie unterscheiden sich, wenn man seine Leser aktiv einbeziehen will. Während man bei einem Sachbuch bei fachlichen Themen und Fragestellungen bleibt, sind es beim Roman dann z.B. Abstimmungen, für welchen Mann sich die Protagonistin entscheiden soll.

Und für wen eignet sich diese Art des Schreibens?

Ganz allgemein gesagt, für Menschen, die ein Buch schreiben wollen und dabei nicht alleine sein wollen. Wer gerne im Austausch mit andern ist, wer früh, oft und kleine Schritte feiern möchte, eher ungeduldig ist und die Reaktionen testen und spüren möchte und zwar unmittelbar und nicht erst in ein paar Monaten, wenn das Buch final veröffentlicht wird, der wird Spaß am Liveschreiben haben. Und natürlich eignet es sich besonders gut für Unternehmer, die mit einem eigenen Buch ihr Unternehmen weiterentwickeln und Kunden gewinnen wollen.

Für Unternehmer ist das Liveschreiben auch ein Kommunikationsinstrument

Warum ist es besonders für Unternehmer interessant, ihr Buch oder ihre Bücher live zu schreiben?

Das Liveschreiben bietet den Rahmen und den Anlass für Gespräche zum eigenen Thema und Angebot. Man kann ein Live Book sehr gut auf den entsprechenden Entwicklungsstand des Unternehmens abstimmen.

Beispiel: Gerade am Anfang ist es wichtig, dass man mit Menschen über seine Idee redet und sich austauscht. Man muss sein Thema und sein Angebot finden und ein Gefühl dafür bekommen, wie die eigene Idee funktionieren kann. Mit einem Live Book kann man wunderbar Interessen testen und die Reaktionen und Wünsche in das einbeziehen, was man anbieten wird.

Wer schon einen Schritt weiter ist und sich seiner Methode sicher ist und sein Angebot gefunden hat, der will Kunden gewinnen. Das geht am besten, wenn man Beziehungen zu Menschen aufbaut und ihr Vertrauen gewinnt. Der Rahmen eines Live Books ist dafür wunderbar geeignet, vor allem wenn es kleinere und überschaubare Live-Leserrunden sind.
Oder wer seine Emailliste aufbauen und vergrößern möchte, der kann sein Live Book so gestalten, dass er möglichst viele und wertvolle Email Adressen dadurch bekommt.

Und wie unterstützt Du andere, gibt es Kurse oder einen Mitgliederbereich?

Ich biete Unterstützung in Form von Coaching und Beratung an. Bisher habe ich zwei Coachingpakete. Das erste Paket legt die Basis und das Ziel ist noch gar kein Buch. Es geht um die Klarheit! Denn Klarheit ist die Voraussetzung, um erfolgreich sein zu können. Bevor man ein Buch schreiben kann, um sein Unternehmen aufzubauen oder um sich als Experte zu positionieren, muss man wissen, was das Unternehmen ist. Genau um diesen Prozess geht es in diesem Coachingpaket. Dieses Angebot erweitere ich derzeit um einen Gruppenonlinekurs.

Das zweite Paket ist das Buchcoaching. Ich nenne es gezielt Buchcoaching und nicht Live Book Coaching, weil der jeweilige, angehende Autor individuell entscheidet, wie stark er liveschreiben möchte. Für den einen ist es klar, so live und öffentlich wie möglich, für den anderen nicht. In dem Fall greifen wir die Elemente heraus, die sinnvoll sind, um das Buch leser- und kundennah zu gestalten und es frühzeitig zu vermarkten, alles andere kann dann aber auch ganz klassisch geschrieben und veröffentlicht werden. Auch im Buchcoaching beziehe ich immer den aktuellen Unternehmensstand des Autors ein, damit das Buch zielgerichtet ist und auch tatsächlich das bewirkt, was es soll.

Wie ist Dein Hintergrund? Erzähle ein bisschen über Deine Geschichte, wie Du zum Livewriting gekommen bist.

Ich habe als Designerin und Marketingexpertin schon vorher für Trainer, Berater und Coaches gearbeitet. Oft war es schwer, in den eher knappen Broschüren und PDFs, das Wissen und die Expertise herüberzubringen, die da war. Ich habe mir immer Möglichkeiten gewünscht, mit mehr Text arbeiten zu können.

Hinzu kamen ein paar weitere Dinge, dass es eine Mischung an Inspiration war: Meine Liebe zu Büchern, die radikale Revolution auf dem Buchmarkt initiiert durch den Kindle von Amazon, ein damaliger Auftraggeber aus dem Bereich Social Media. Und dann ist es einfach passiert, eines Tages hatte ich die Idee des Liveschreibens, wo und wann genau weiß ich nicht mehr – ich vermute unter der Dusche. Dort habe ich oft Ideen.

Damals war es eine Idee, es gab noch nicht mal einen Namen dafür. Die Begriffe Livewriting bzw. Liveschreiben und Live Book kommen tatsächlich von mir, wobei es vergleichbare Ansätze gibt, wie blog your book oder auch agiles Buchschreiben.
Allerdings beschränken sich diese meist auf die Technik oder die Organisation eines öffentlichen Buchprojekts. Mir geht es beim Liveschreiben wirklich um den wirkungsvollen Einbezug der Leser, um Dramaturgie und darum, aus der Buchentstehung ein Erlebnis für den Live-Autor und seine Live-Leser zu machen.

Du pendelst zwischen Mexiko und Deutschland, wie ist es dort zu leben und in Deutschland (wo noch?) Kunden zu betreuen?

Das macht Spaß. Ich selbst liebe die Abwechslung der unterschiedlichen Kulturen und Sprachen. Da ich online mit meinen Kunden zusammen arbeite ist es egal, wo ich bin. Was ich merke ist, dass meine Kunden dadurch internationaler werden und ich inzwischen zusätzlich auf Englisch arbeite und sogar erste Gespräche auf Spanisch führe. Das ist zwar noch ausbaufähig, aber der Fokus erweitert sich, es wird bunter – bei mir, wie auch bei meinen Kunden. Das schwierigste ist die Zeitverschiebung, vor allem wenn neben Deutschland und Mexiko noch weitere Länder und damit Zeiten dazukommen.

Tipps, um den Wunsch nach dem eigenen Buch näher zu kommen

Hast Du 3 Tipps für Menschen, die gerne ein Buch schreiben würden, aber nicht so recht starten bzw. weiter kommen?

Ja klar, gerne:

1. Wenn Du ein Buch schreiben willst, dann fang an zu schreiben. Es ist wichtig, dass Du Dich eingroovst, wie ich es immer nenne. Viele wollen quasi aus dem Nichts heraus ein Buch schreiben und das ist schwierig. Das ist vergleichbar als ob ein Sänger direkt auf die Bühne geht, ohne sich eingesungen oder gar geübt zu haben. Beim Schreiben ist es Nichts anderes, es ist Übungssache.

2.Überlege Dir, welches Thema Dir wirklich am Herzen liegt und was Du damit erreichen willst. Schreibe kein Buch nur weil Du denkst, dass es geschrieben werden müsste oder dass es der Verkaufsschlager auf Amazon werden wird. Schreibe nur DAS Buch, das Dich selbst begeistert.

3. Mach das Buchthema so klein wie möglich. Ja, Du hast richtig gelesen. Ich weiß, wer an ein Buch denkt, der denkt groß und es gibt schnell den Zweifel, ob man überhaupt genug zu sagen hat. Deshalb tendieren die meisten zu zu großen Themen, die viel zu allgemein sind. Das macht das Schreiben schwer und zudem ist es für die Leser uninteressant. Mach Dein Thema spezifisches und klein – damit tust Du Dir ein Gefallen und wirst viel mehr Leser damit erreichen.

Das absolut Wichtigste ist – fang einfach an!

Vielen Dank, Katja, für das Interview!

 

Foto: Sabine Antonius

Katja Gloeckler ist Buchcoachin, Live-Autorin und die Initiatorin und Gastgeberin der SchreibPoweTage.

Sie inspiriert und unterstützt Menschen, sich und ihr Wissen zu zeigen, um den Effekt in der Welt und in ihrem Leben haben, den sie sich wünschen.

Sie hilft ihnen, ihre SchreibPower zu entwickeln und zu nutzen, um damit ihre Leserschaft und ihr Unternehmen wachsen und gedeihen zu lassen.

Ihre Webseite findest Du unter www.schreibpower.de

 

 

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Interviewfragen von Eva Peters
Eva Peters ist bekennende Anhängerin von Onlinekursen und hat viele unterschiedliche Interessen. Daher freut sie sich auf Onlinekurse nahezu aller Art.

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